Antrag zum Kreishaushalt 2022 sowie Erweiterungsantrag zur Vorlage KT-10/0126

„Umsetzung des Integrierten Klimaschutzkonzeptes für den Rheinisch-Bergischen Kreis > Konzept zur Förderung der Solarenergie – Maßnahmenpriorisierung und Kostenaufstellung > Maßnahme 6.16 „Schaffung einer Klima-/Energieagentur für den Rheinisch-Bergischen Kreis“
Hier: Erweiterungsantrag „Erweiterung des Aufgabenfeldes um die Beratung und Förderung von Wasserstofftechnologien und energieeffizienten Lösungen im Wärmebereich sowie Förderung der Erweiterung des Aufgabenfeldes mit jeweils jährlich 200 TEUR in den Jahren 2022 bis 2026 (insgesamt 1 Million EUR).“

24. November 2021
Sehr geehrter Herr Santelmann,
den nachstehenden Antrag bitten wir auf die Tagesordnung des Kreisausschusses am 2.12.2021 und des Kreistages am 2.12.2021 zu setzen. Die Schaffung einer Klima-/Energieagentur soll eine wegweisende Maßnahme des zukünftigen Klimaschutzes im Kreisgebiet sein. Angedacht ist, dass sich diese Agentur inhaltlich mit der Beratung und Förderung von Photovoltaikanlagen und Solarthermie beschäftigt, womit eine jährliche CO2 Einsparung von rd. 730 Tonnen im RBK realisiert werden soll.

Für das Erreichen des allem übergeordneten Ziels „Klimaneutralität im RBK“ spielt nach heutigem Kenntnisstand der Einsatz von grün erzeugtem Wasserstoff eine ganz besondere Rolle. Er kann die fossilen Brennstoffe Öl, Kohle und Gas weitgehend ersetzen und so für mehr CO2-Neutralität sorgen. Mit unserem Antrag „Interkommunale Wärmeleitplanung“ vom Januar 2021 haben wir bereits einen Weg aufgezeigt, wie ein klimaneutraler Gebäudebestand im RBK erreicht werden kann. Leider wurde unserem Antrag nicht gefolgt. Da der Bereich Heizung in etwa für den gleichen CO2 Ausstoß steht wie der Bereich Verkehr, war diese Ablehnung für uns schon „bemerkenswert“. Die FREIEN WÄHLER möchten weiterhin mit ganz konkreten Maßnahmen Wege aufzeigen, wie die Klimaneutralität im RBK erreicht werden kann.

Antrag:
Das Aufgabenfeld der zu schaffenden Klima- Energieagentur soll um die Beratung und Förderung von Wasserstofftechnologien und energieeffizienten Lösungen im Wärmebereich speziell für den privaten Bereich erweitert werden. Dazu sollen Musteranlagen gebaut und vorgeführt werden. Mit dem heimischen Handwerk sollen Workshops organisiert werden, um dieser Technologie einen Anschub zu geben. Alternativ könnte dieses Projekt auch bei der :metabolon Bergisches Energiekompetenzzentrum angesiedelt werden. Der Kreistag stellt hierfür über die nächsten 5 Jahre insgesamt einen Betrag von 1 Mio. Euro in den Haushalten zur Verfügung.

Darüber hinaus ist zu prüfen, welche Fördermittel hier ggfs. durch Bund und Land zur Verfügung gestellt werden. Der jährliche Zuschussbetrag ist im Falle einer Förderung entsprechend zu verringern.

Begründung:
Es ist an der Zeit sich aus Klimaschutzgründen nicht nur auf den Ausbau des ÖPNV und des Radwegenetzes oder der Förderung von Solaranlagen zu focussieren, sondern ebenso den Blick auf die Beheizung der Wohnräume. Gemäß Umweltbundesamt entfallen gut 2/3 des CO2-Ausstoßes der Haushalte den Berechnungen zufolge auf das Heizen der Wohnräume. Um die vom RBK beschlossenen Klimaziele nachhaltig und schnellstmöglich zu erreichen, muss sich auch diesem Bereich gewidmet werden.

Der RBK ist Mitglied bei H2R Rheinland. Diese Initiative bearbeitet die Themen Produktion von grünem Wasserstoff sowie Verkehrswende. Im RBK haben wir das Projekt Grüner Mobilhof GL, wo der Verkehr, die Betankung und ein emissionsarmer Betriebshof im Focus stehen. Daneben haben wir im RBK die H2 Werkstatt, wobei es hier um die zentrale Aufgabe geht, die in der Region ansässigen Unternehmen und Organisationen zu identifizieren, anzusprechen und in einem sich selbst organisierenden Netzwerk zusammenzubringen. Was fehlt ist ein gezieltes Beratungsangebot für den privaten Bereich bzw. den Gebäudebestand zum Thema Einsatz von grünem Wasserstoff. Im Mittelpunkt soll dabei die Klärung der Rolle von grünem Wasserstoff bei der Wärmeversorgung und Stromspeicherung in Wohngebäuden stehen.

Nachfolgende Referenzprojekte können wir dazu nennen:

  • im Wohnquartier “Am Schilfpark” in Hamburg-Bergedorf erhalten 273 Wohnungen Wärme und Strom aus einer Energiezentrale. Dort arbeiten zwei hocheffiziente KWK-Module sowie eine Brennwertkesselanlage ab Anfang 2021 im Wasserstoff Mischbetrieb. Gasnetz Hamburg mischt dem Erdgas bis zu 30 Prozent grünen Wasserstoff bei. Anlagenbetreiber enercity contracting Nord, Gasnetz Hamburg, die Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg und der Bezirk Bergedorf erproben im Rahmen des Projekts, wie sich bestehende Geräte und das Gasnetz im Mischbetrieb mit unterschiedlichen Wasserstoff-Konzentrationen verhalten und wie sich in Wasserstoff gespeicherte erneuerbare Energie rückverstromen lässt. Das Projekt dient als Modell für eine energie- und ressourceneffiziente Stadt und ist Teil des EU-Projektes mySMARTLife mit den Partnerstädten Nantes in Frankreich und Helsinki in Finnland. Projektträger: Gasnetz Hamburg, enercity contracting Nord GmbH, HAW, Bezirk Bergedorf Fördermittel: Horizont 2020 Programm der Europäischen Union Ort / Region: Hamburg-Bergedorf mehr Informationen: www.mysmartlife.eu/cities/hamburg
  • Energetisches Nachbarschaftsquartier (ENaQ) Projektinhalt: Energie von Nachbarn für Nachbarn: Unter diesem Motto entsteht auf dem Fliegerhorst in Oldenburg ein Smart City Wohnquartier mit etwa 110 Wohneinheiten, in dem der Energiebedarf zum größten Teil aus lokal erzeugter Energie gedeckt werden wird. Das Quartierskonzept, „Energetische Nachbarschaften“ genannt, stellt einen Verbund an Erzeugern und Verbrauchern dar, die in direkter Interaktion miteinander stehen. In ENaQ soll künftig die Rückverstromung von Wasserstoff mit Hilfe einer Brennstoffzelle und die anschließende elektrische Einspeisung ins Netz oder ggf. auch eine direkte Einspeisung von Wasserstoff in das Gasnetz getestet werden. Außerdem ist die Verwendung von Wasserstoff für mobile Anwendungen wie Brennstoffzellen-PKW, -Fahrräder, -Gewerbetransporter angedacht. Projektträger: Forschungszentrum Jülich GmbH Fördermittel: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF.723) Ort / Region: Fliegerhorst in Oldenburg mehr Informationen: www.enaq-fliegerhorst.de
  • Power to Flex Projektinhalt: Lösungen für das Energiesystem der Zukunft, welches von Sektorenkopplung geprägt sein wird, werden erarbeitet: Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden aus dem Norden der Niederlande und Nordwestdeutschland entwickeln Versuchsanlagen für die Speicherung erneuerbarer Energien. Sonne und Wind erzeugen mal zu viel und mal zu wenig Strom. Angebot und Nachfrage lassen sich dadurch schwer in Einklang bringen. Das Projekt Power to Flex will Lösungen bieten und realisiert innovative Pilotprojekte für die Speicherung nachhaltig erzeugter Energien. Die Energiespeicherung erfolgt in Form von Wasserstoffgas, Wärme, Elektrizität und Biogas, sowohl in kleinem (Einzelhaushalte) als auch mittelgroßem Maßstab (Unternehmen, Wohnblocks und Mobilität). Projektträger: Oldenburger Energiecluster e.V. unterstützt im Kommunikations- und Netzwerkaufbau. Fördermittel: Förderprogramm INTERREG VA Ort / Region: Norden der Niederlande und Nordwestdeutschland mehr Informationen: www.powertoflex.eu/de/ www.energiecluster.de/de
  • Nachhaltige Energieversorgung für Bestands- und Neubauten. Projektinhalt: Für das Natur und Feriengebiet BernsteinSee setzt die EXYTRON GmbH ein nachhaltiges Energieversorgungssystem für Bestands- und Neubauten um. Durch eine optimierte Kombination aus Energiewandlern und Energiespeichern wird ein Energieversorgungssystem aufgebaut, das in der Lage ist, zwei bestehende Hotels sowie einen Hotelneubau dezentral, ganzjährig und teilautark mit Strom und Wärme zu versorgen. Dabei wird der lokal erzeugte, nicht sofort verbrauchte Strom aus den Solaranlagen zunächst in Wasserstoff und dann sofort in Methan umgewandelt. Dieses kann in Tanks gespeichert werden und bei Bedarf in speziell für den emissionslosen Betrieb ausgerüsteten Blockheizkraftwerken und Brennwertthermen für die Erzeugung von Wärme und Strom verwendet werden. Projektträger: FAUN Umwelttechnik GmbH & Co. KG Fördermittel: k.A. Ort / Region: Sassenburg-Stüde mehr Informationen: www.exytron.com
  • Feldtest zur Nutzung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien im Erdgasnetz Projektinhalt: Gemeinsam mit dem DVGW wurde im E.ON Forschungsverbund während eines dreijährigen Leuchtturmprojekts die Einspeisung von Wasserstoff in einem Erdgasnetz umfassend getestet. Die Einspeisung erfolgte in der Ortsnetzstation. An das bestehende Netz der Schleswig-Holstein Netz AG waren 170 Haushalte mit diversen Erdgas Verbrauchsgeräten angeschlossen. Projektschwerpunkte: Akzeptanz der Kunden, Netzhydraulik, Funktion der diversen
    Erdgasverbrauchsgeräte und Abrechenbarkeit des geänderten Brennwerts. Es wurde erfolgreich Wasserstoff (WindGas) in den Stufen von 2, 4, 6, 8 und 10% eingespeist. Projektfazit: In Standard Erdgasnetzen lässt sich Wasserstoff bis 10 % dem Erdgas grundsätzlich beimischen. Das Projektziel ist vollständig erfüllt. Projektträger: Hansewerk AG, E.ON Meetering GmbH und dem DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfachs) Fördermittel: – Ort / Region: Gemeinden Klanxbüll/Neukirchen mehr Informationen: IHK Schleswig-Holstein; Projekt ist abgeschlossen
  • QUARREE100
    Projektinhalt: QUARREE100 untersucht wie Wind, Sonne und Biomasse in andere Energieformen umgewandelt, gespeichert und verteilt werden müssen, um im Stadtquartier eine wettbewerbsfähige, zuverlässige und nachhaltige Energieversorgung zu ermöglichen. Erstmals wird ein Elektrolyseur zur Wasserstoffproduktion in einem Stadtquartier in Schleswig-Holstein aufgebaut. Dabei wird QUARREE100 zeigen, wie durch Mitverwertung der Abwärme aus der Elektrolyse diese hinsichtlich ihrer Gesamteffizienz deutlich verbessert werden kann. Projektträger: Entwicklungsagentur Region Heide Fördermittel: BMBF/ BMWi Ort / Region: Heide mehr Informationen: www.quarree100.de/

Fazit: Die Untersuchung der Herstellungs-, Speicherungs-, Verteilungs- und Anwendungsmöglichkeiten von grünem Wasserstoff sowie der Aufbau der Brennstoffzellentechnologie für den Gebäudebestand und Neubauten bieten enormes Potential für CO2 Einsparungen.

Mit freundlichen Grüßen

Jan Paas, Sachkundiger Bürger im ZA

Henning Rehse, Stv. Fraktionsvorsitzender

Werner Conrad, Fraktionsvorsitzender